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Wiederaufbau einer Rasse

Der französische Briard, der Old English Sheepdog, der Berger des Pyrénées, der Bearded Collie aus Schottland, der Polsky Owczarek Nizinny und der holländische Schapendoes.

Wer in der grossen Welt der Kynologie seinen Blick schon weiter wandern hat lassen, als der Blick auf die eigene Rasse, sollte wissen, dass dieser wuschelig behaarte Hirtenhund in vielen Variationen in ganz Europa zu finden ist. Es handelt sich hier um einen nützlichen Arbeitshund, nützlich für den Schäfer beim Hüten der Herden. Seine auffälligsten Eigenschaften sind: Wendigkeit gepaart mit Schnellheit, er ist kräftig kombiniert mit Durchhaltevermögen und typisch für diese Hunde ist auch der gute Charakter. In dieser Gruppe von Hirtenhunden ist der Schapendoes unumstritten zu Hause !

Es ist dem Richter und Publizisten P.M.C. Toepoel zu verdanken, dass der holländische Hirtenhund heute einen festen Platz in der Kynologie einnimmt. Ohne dem Zutun des in 1960 verstorbenen „Wiedererfinder“ unserer Rasse, wäre der Schapendoes wohl, wie auch der grösste Teil der Schafherden, als ausgestorben abgestempelt worden. Während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg hat Toepoel zusammen mit einigen Interessierten den Wiederaufbau unserer Rasse in Angriff genommen.

 Wiederaufbau ?  Oder doch einfach eine neue Rasse ?

Hier folgt der Ausschnitt eines in der holländischen „Hondenwereld“ erschienenen Artikels vom Februar 1957, worin Schapendoes-Züchter A. Oosthoek schreibt:

Kennen Sie den Schapendoes ?

Oosthoek berichtet von der Begegnung mit einer Schafherde. Es ist Sommer 1920, Noord-Veluwe, Holland.

Es ist nicht unbedingt die Herde und auch nicht der Schäfer die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nein, es ist vielmehr der Hund der dies tut:

Der Kleine, ein dunkelgrauer Hund mit hellen Vorderpfoten und beinah’ weisser Schnauze, glich einem kompakten Energiebündel. Einfach unermüdlich ! Die Bewegungen des Tieres verlangten meine vollste Aufmerksamkeit. Ich war überwältigt ! Ich staunte über dieses harmonische Gangwerk und musste feststellen, dass der Hund beim Laufen absolut keine überflüssige Bewegungen machte. Kräfte sparen heisst Energie sparen ! Aber auch die besondere Wendigkeit und dieses Leichtfüssige muss man als sehr typisch bezeichnen. Die eigentliche Arbeit jedoch, das Treiben, macht dieser Hund mit den Schultern. Tanzte ein Schaf etwas alzu sehr aus der Reihe, dann stiess er mit der Nase in die Flanke des Tieres und alles war wieder unter Kontrolle. Es war ein wahrhaftig herrliches Schauspiel.

„Das ist jetzt ein Schapendoes“, erzählte mir der Schäfer. „Und mein Grossvater, der auch eine Herde hatte, hatte genau so einen Hund. Er sah genau gleich aus und war der beste Gehilfe den man sich vorstellen kann“, ergänzte der Mann. Schnell rechnete ich in Gedanken eins und eins zusammen, denn wenn sein Grossvater genau so einen Schapendoes hatte, dann muss es diese Art Hund schon vor einem Jahrhundert gegeben haben, denn ich schätzte den Schäfer gute 60 Jahre alt.

-Bild-

Alte Einheimische und Bauern sprechen den Schapendoes noch
manchmal mit dem alten Namen an, als er noch bekannt war als
Gehilfe des Schäfers: "Siep", "Droes", Herdersdoes" oder "Olde Grise".
Ein Schäfer, der im Jahre 1930 mit seiner Herde nach Süden zog,
erinnert an den Schapendoes, als Hirtenhund aus dem Norden.

Doch wie geht es weiter?

Des Schäfers finanzielle Mittel  waren sehr knapp bemessen. Er war gezwungen, sparsam zu leben und konnte sich sicher keinen Vielfrass leisten. Was er unbedingt brauchte war ein Helfer der alle diese Bedingungen erfüllte. Und genau diese Rasse wurde von ihm gezüchtet. Schönheit und Aussehen waren zweitrangig. Wichtig war der Charakter. Bei diesem holländischen Hirtenhund wurde keinen Wert auf typisch äusserliche Merkmale gelegt, sondern auf Geschicklichkeit und Begabung für die Arbeit.

Es folgten harte Jahre für Schäfer und Hund. Die Herden wurden immer kleiner und viele mussten aus diesem Grund sogar aufgelöst werden. Der Schäfer sah sich gezwungen, das tägliche Brot auf andere Art und Weise zu verdienen. Der unentbehrliche Helfer war überflüssig geworden und gerät vorübergehend in Vergessenheit...

...wäre da nicht P.M.C. Toepoel gewesen, der nach einigen vergangenen Jahren noch ein exaktes Bild vor Augen hat von diesem einstmals lobenswerten Hund, der damals ein so unentbehrlicher Kamerad gewesen sein soll. Der Wiederaufbau wird in Angriff genommen (1940-1945).

Auf der Strasse und auf den vielen Wochenmärkten wir man bald fündig....

Als Toepoel eine Dame erblickt, die sich mit einer soeben auf dem Markt ersteigerte Hündin auf dem Heimweg macht, steigt er vom Fahrrad und versucht der Dame zu verdeutlichen, dass sie sich glücklich schätzen kann, einen sehr typischen Schapendoes an der Leine zu halten.

Nachdem er sie in die Geheimnisse rund um den Schapendoes eingeweiht hat, macht er ihr den Vorschlag doch einen Wurf mit der Hündin zu wagen.

Nachdem die 63 Tage vorbei waren und die so spontan zum Schapendoes deklarierte Hündin geworfen hatte, ging Toepoel diesen ingesamt zweiten Wurf seit dem Wiederaufbau anschauen. Sieben überaus lebendige Welpen, wovon sechs eindeutige Merkmale und Ähnlichkeit aufwiesen. Das Aussehen vom siebten Welpen war wohl alles andere als typisch...

Diese und andere Hunde waren das Startkapital für den Wiederaufbau. Man muss eingestehen, dass es sich hier um Bastarde und „vermutliche“ Schapendoezen handelte. Aber um diese beiden Ausdrücke etwas zu relativieren, kann man behaupten, dass diese Bastarde wohl „Schapendoes-Bastarde“ waren und, dass sich unter den „deklarierten“ einige wohl sehr schöne und lohnenswerte Exemplare befanden. Diese Funde waren sicher keine selektionierten Rassehunde; jeder von ihnen hatte Mängel und diese musste man „wegzüchten“... Es wird jedoch allen einleuchten, dass damals wieder aufgebaut werden musste und man arbeiten musste, mit diesen bescheidenen Mitteln.

Um nun die wirklichen Adams und Evas unserer Rasse zu bestimmen, standen nur neun Hunde zur Verfügung. Eine mögliche Hoffnung für den Wiederaufbau einer Rasse ? Eine so geringe Menge, an zwei Händen ab zu zählen...

Bei diesen neun Hunden handelt es sich um „gefundene“ Exemplare, es existieren keine Hinweise bezüglich Geburtsdatum, Abstammung oder Herkunft. Es sind vier Rüden: Noël, Pluis, Boeloe und Boef I, sowie fünf Hündinnen: Roetje, Astra, Tirza, Teddy und Ingrid.

Diese Anzahl ist erstaunlich bescheiden, wenn man bedenkt, dass in diesem bunt zusammengewürfeltem Grüppchen „schapendoes-ähnlicher“-Hunde, das ganze Potential an genetischem Material steckt, welches heute, Jahre später abertausende von Schapendoezen in sich tragen !

Das einstimmige Motto dieser äusserst aufwendigen Pionierarbeit lautet: „Es geht darum einen Hund zu züchten, der aussieht wie ein Schapendoes und am liebsten auch mit dessen Eigenschaften und Charakter“.

Woher kommen diese Hunde, diese sogenannten Vorreiter unserer Rasse und wer sind sie ?

September 1944. Es herrscht Krieg und Gerüchte machen die Runde. Ein nervöser deutscher Soldat, der in seine Heimat zurückkehren möchte, muss seinen geliebten Rüden zurücklassen. Er findet rasch einen Abnehmer. Der neue Besitzer muss den Hund jedoch unerwartet weitervermitteln: im Garten hinter seinem Haus liegen Luftabwehrsoldaten auf der Lauer und der Hund reagiert äusserst ungehalten auf Männer in Uniform. Sein endgültiger Besitzer ist die spätere Züchterin Frau Backx-Bennink. Seinen Namen verdankt der Hund einem einem englischer Arzt, Noël Scott, der der Familie einige dringend notwendige Lebensmittel überbrachte am Tag der Befreiung Hollands. Noël war an vier Würfen beteiligt (zwischen 1947-1950). Leider besass er ein Glasauge.

Schon vor dieser Zeit hatte Frau Backx-Bennink, die neue Besitzerin von Noël, einmal einen Schapendoes gesehen. Sie war beeindruckt von seinen Qualitäten. Sie entschloss sich nach so einem Hund Ausschau zu halten.

Auf dem Hundemarkt in Rotterdam wurde die Dame bald fündig. Aus dem Schatten eines Hundekarren starrten sie zwei runde, ganz dunkelbraune Augen an. Dieser Blick genügte... Sie nahm die schapen-doesähnliche Hündin, von wundervoller grauer Farbe, zu sich mit nach Hause. Zu Hause angekommen, den Hund näher betrachtend, stellte sie fest, dass diese übersät war von Flöhen, daher auch diese so „schöne graue Farbe“... Man legte ihr nahe, den Hund wieder zurückzubringen, doch etliche Versuche scheiterten. Die Hündin war da ganz anderer Meinung und so durfte sie schlussendlich bleiben. Drei Tage lang wurde das Fell mit dem letzten Rest Petroleum (zu dieser Zeit teurer wie ein exklusives Parfum) gereinigt. Eine Woche später wurde dieses Ritual wiederholt. Und siehe da, eine russchwarze Schönheit kam zum Vorschein. Sie wurde auf den Namen Roetje (Russ) getauft.

Roetje ist Mutter von zwei Würfen (1947+1948). Unter dem späteren Zwingernamen „Reeuwijk’s“ wurde Roetje zwei Mal von Noël gedeckt. Beim ersten Wurf wurde dies von einem neunfach Erfolg gekrönt, vom zweiten Wurf ist die genaue Anzahl der Welpen nicht bekannt.

Wir wissen, dass es nach dem Zweiten-Weltkrieg einen Zeitpunkt gab, da nur noch 7 Vertreter, das ganze Potential für den Wiederaufbau bildeten. Diesem kleinen Grüppchen fiel die schwierige Aufgabe zu, die Rasse wieder zu dem zu machen, was alte Schäfer in Holland heute noch zu loben wissen: ein äusserst ausdauernder, leichtfüssiger und sehr wendiger, mittelgrosser, langhaariger Hund, der gerne und gut arbeitet, mit einem freundlichen, festen und mutigen Charakter.

Es ist wohl für uns von grossem Interesse sich darin zu vertiefen, wer diese Hunde eigentlich waren, wie sie aussahen und wie sie lebten.



Tirza

Rund 1960 kam die zierliche Hündin Tirza aus der Nähe von Rotterdam, zu einer Dame namens A.J.C. Schneider-Louter. Für die Dame war es die erste Erfahrung auf kynologischem Gebiet. Es sollten noch so viele folgen...

Als Tirza in ihr neues Heim kam, wurde sie vom Überbringer vorgestellt als junge Pudel-Hündin. Doch als die neue Besitzerin bei einer Einladung, während dem Essen jemanden traf, der dem äusseren Anschein nach einen gleichen Hund wie sie selbst hatte und dieser davon überzeugt war einen Schapendoes sein Eigen zu nennen, war Frau Schneider-Louter unschlüssig, aber davon überzeugt, dass Tirza kein Pudel sein konnte. Sie nahm Kontakt auf mit Frau Backx-Bennink, einer Schapendoes-Besitzerin, und diese half ihr die noch vorhandenen Zweifel ganz zu beseitigen.

Die schöne, ganz schwarz gezeichnete Hündin Tirza war ohne Zweifel ein echter Schapendoes. Ihre Herkunft und Abstammung sind leider nicht mehr nachvollziehbar. Sie wurde allerdings 1961 stolze Mutter von 8 Schapendoes-Welpen (3 Rüden und 5 Hündinnen). Frau Schneider-Louter blieb der Rasse treu und war viele Jahre lang Präsidentin vom Holländischen Club.

 

Pluis

Dieser Rüde war von 1950-1962 im Besitz der Familie Toepoel. Aussagen zufolge war dies ein Hund, der dem Idealbild des alten Schapendoes sehr nahe kam. Fast genau so soll der Schapendoes einst ausgesehen haben.

 

Herr Toepoel hat es sich denn auch nicht nehmen lassen, ihn überall in Holland als Deckrüden für Schapendoes-Hündinnen zu empfehlen. Ganze neun mal führte dies zu sichtbarem Resultat. Woher er stammte weiss niemand und konnte auch nicht nachvollzogen werden. Seine Haare waren gelockt, von grauer und schwarzer Farbe, vom Körperbau her war er gut proportioniert. Pluis nahm 1950 und 1951 an der Winner-Ausstellung in Amsterdam teil. 1962, nachdem ihm sein Herrchen Toepoel 1960 vorausgegangen war, starb Pluis im Beisein von Frau Toepoel an einer Nierenvergiftung.

 

Astra

Diese braun-graue Hündin wurde an einem Tag im Jahre 1950 auf dem Friedhof in Utrecht gefunden. Jemand hatte sie dort angekettet und dem Anschein nach einfach ausgesetzt. Ein Friedhofgänger sah den Hund und verständigte daraufhin seinen Vater, den späteren Besitzer von Astra, Herr van der Grinten. Als Vater und Sohn nach Feierabend zusammen auf den Friedhof fuhren, um nachzusehen, ob der Hund wohl immer noch dort weilte, beschlossen die beiden, die Hündin mitzunehmen und den Fall genauer zu untersuchen.

Es gab jedoch nicht viel aufzuklären und es wurde rasch beschlossen, dieses „rassereine Findelkind“ in den Kreis der Familie aufzunehmen.

Der Tierarzt von Herr van der Grinten untersuchte den Hund und vertrat die Meinung, dass es sich hier um einen Schapendoes handeln könnte. Er schlug dem Besitzer vor, er solle sich näher informieren lassen und verwies ihn an einen gewissen Herrn Toepoel, der nicht weit weg wohnte... Toepoel war vom Aussehen dieser Hündin überwältigt. Alsbald wurde das Thema Zucht angeschnitten und man plante einen Wurf mit Astra. Als Rüden stellte Herr Toepoel seinen Pluis gerne zur Verfügung. Diese erfolgreiche Verpaarung brachte im Jahre 1950 8 Welpen (3 Rüden und 5 Hündinnen). Leider war dies Astra’s einziger Wurf.

Wir haben nun schon einiges an Informationen sammeln können über die Vergangenheit des Schapendoes. Einige der Hunde, die kurz nach dem Krieg in Holland zur Verfügung standen und somit die Grundsteine für einen Wiederaufbau darstellten, haben wir schon vorgestellt. Es sind dies Noël, Roetje, Tirza, Pluis und Astra. Nun möchten wir gerne die restlichen vier vorstellen.

 

 

Boeloe

Über diesen Rüden ist nur sehr wenig bekannt. Der Besitzer kaufte den Rüden rund 1960 von einem Ehepaar. Aussergewöhnlich ist, dass von ihm, im Gegensatz zu den anderen Schapendoezen dieser Generation, eine ausführliche Beurteilung gemacht wurde. Herr van den Bend, FAC-Mitglied im niederländischen Club, nahm Boeloe im Jahre 1971 gründlich unter die Lupe. Der Hund war zu diesem Zeitpunkt 17 Jahre alt !

Seine Qualitäten wurden als gut eingestuft. Die Farbe des Felles war dunkelgrau mit ein wenig weiss. Boeloe wurde in Verband mit seinem sehr üppigen Fell, jährlich einer Schur unterzogen. Dies führte zur kritischen Äusserungen des Clubvorstands dem Besitzer gegenüber, der daraufhin seine Mitgliedschaft kündigte.

Die beiden Rüden, Karu und Jeroen haben einen wesentlichen Teil zum Wiederaufbau der Rasse beigetragen.

Karu legte mit den Grundstein für die Amorus-Linie und eine Tochter von Jeroen, Pandoer, ist die Stammutter der Zucht van het Heideleven. Beide Züchter sind heute noch aktiv.

Die noch übrigen drei Hunde, welche wir nun noch nicht vorgestellt haben sind Boef I, Ingrid und Teddy. Diese drei zusammen haben (mit einigen anderen Urdoezen) nur einen bedeutenden Nachkommen für die Rasse gestellt: Lulu. Andere Söhne oder Töchter dieses Trios haben keine Bedeutung für die Zucht.

 

 

Boef I’s Beitrag zum Wiederaufbau

Von Boef I (Boef heisst auf holländisch „Dieb“) sind wie von den anderen Urdoezen keine Elterntiere bekannt.

Anhand dieser Skizze ist ersichtlich welche Verpaarungen notwendig waren, um Lulu, Boef I’s Urenkelin, das Licht der Welt erblicken zu lassen und in  welchem Masse er hieran beteiligt ist.

 

 

Ingrid und Teddy

Im Jahre 1948 entschied man sich für eine Verpaarung zwischen Noël und Ingrid. Es wurden sieben Welpen geboren. Ein Rüde aus diesem Wurf bekam den Namen Constable van’t Geuzenerf . Und mitten im Geschehen taucht plötzlich auch die Hündin Teddy auf.

Anhand dieser Skizze möchten wir aufzeigen inwiefern Ingrid und Teddy ihren Beitrag geleistet haben und in welcher Beziehung sie beide zu Lulu stehen.

Weder über Ingrid noch über Teddy ist irgendetwas bekannt, ausser der Tatsache, dass von beiden die Elterntiere nicht bekannt sind. Es existiert leider auch kein Bildmaterial bwz. Fotos.

Wir können also die Namen Boef I, Teddy und Ingrid, die ohne Zweifel ihren Beitrag zuerst leisten mussten bevor es überhaupt Nachkommen gab, ersetzen durch einen: Lulu.

Somit hat sich die Liste der ursprünglichen neun, plötzlich auf sieben Stammväter und Mütter der Rasse reduziert...

Nun möchten wir Dir noch den letzten eigentlichen Urschapendoes vorstellen:

Lulu. Diese Hündin steht zusammenfassend für die drei eigentlichen Urdoezen Boef I, Ingrid und Teddy. Über diese drei Hunde ist nur sehr wenig bekannt. Eine der wenig bekannten Tatsachen ist, dass Lulu ein gemeinsamer Nachkomme dieses Trios ist und hiermit also der Beitrag zum Wiederaufbau der Rasse bestätigt werden kann.

Lulu

Die "blonde" Hündin wurde 1960 geboren und lebte Zeit ihres Lebens bei der Familie Mastenbroek und ihrem Vater, dem Rüden Luurt van’t Schaddeveld.Die Hündin bekam nur einen Wurf, im Jahre 1964. Der Vater dieser neun Nachkommen war Castor (Urenkel von Nöel und Roetje väterlicher- und Enkel von Pluis mütterlicherseits), der ebenfalls bei der Familie Mastenbroek, dem Züchter dieses Wurfes, lebte. Zwei Hündinnen aus dieser Verbindung diesem wurden später in der Zucht eingesetzt: Es sind dies Tanja und Nora. Tanja legte mit den Grundstein für die noch immer aktive Zucht „de la Richesse“, dessen Name heute in fast jedem Schapendoes-Stammbaum auftaucht.

 

 

Wir haben nun sämtliche Urhunde unserer Rasse vorgestellt, alle Fakten mühsam zusammengekratzt und sie wie ein Puzzle zusammengesetzt. Mehr Informationen existieren schlichtweg nicht. Das Resultat ist wohl eher als mager einzustufen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Vor allem hätte es uns brennend interessiert, wie es um die äussere Erscheinung der jeweiligen Hunde bestellt war. Doch zu dieser Zeit wurden keine ausführlichen Berichte geschrieben. Auch fehlen objektive Zeugnisse über Grösse oder rassetypische Merkmale, wie etwa aus einem Bericht einer Hundeausstellung ersichtlich wäre. Der Schapendoes war jedoch damals noch keine anerkannte Rasse und somit auf offiziellen Ausstellungen nicht erwünscht.

Zu dieser Zeit, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, hatte man ein ganz anderes Anliegen: es ging darum mit den letzten gefundenen, rassetypischen Exemplaren und verbliebenen "Bastarden" einer fast ausgestorbenen Hunderasse, den Schapendoes zu retten und wieder aufzubauen. Und dies war nicht einfach. Die ersten Nachkommen waren wohl alles andere als selektionierte Rassehunde. Jeder einzelne von ihnen besass sichtbare, optische Mängel, welche langfristig und mittels äusserst gut überlegter Vorgehensweise, erst noch „weggezüchtet“ werden mussten.

Man sprach damals konsequent vom „Wiederaufbau“ und dieses Wort bestätigt die eindeutige Absicht. Eine verwahrloste Rasse wieder zu dem zu machen, was es einst war, obwohl über die ursprüngliche Version des Schapendoes auch nicht sehr viel bekannt war. Hinzu kommt noch, dass sieben der vorgestellten Hunde vielmehr zufällig in die Rolle des Urschapendoes geschlüpft sind und nicht etwa aufgrund allfälliger besonderer Qualitäten.

Heute, viele Jahre später, können wir zurückblicken und sagen: den damaligen Um- und Zuständen ist eine Rasse entschlüpft, die den ursprünglichen, rassetypischen Kriterien entspricht.

Der Schapendoes, ein mittelgrosser, langhaariger Hirtenhund, arbeitsfreudig, leichtfüssig und schnell in der Bewegung, liebenswürdig, wachsam und selbstsicher, verspielt, mutig aber sensibel...

(Frei aus dem Holländischen übersetzt, mit freundlicher Genehmigung der VNS. Natascha Bergs/2002)